Architektur

Arteplage Neuchâtel

Architektur: Künstliche Natur

Das Architektenteam Multipack aus Neuenburg plant für das Ufergebiet in Neuenburg einen breiten Parkstreifen entlang des Sees. Davor liegt der Hauptteil der Arteplage Neuchâtel, eine riesige, im See verankerte Plattform, das Forum. Die beiden Ausstellungszonen Expopark und Forum sind durch Brücken miteinander verbunden. In der schmalen Wasserstrasse dazwischen verläuft ein langer Pier. Er verbindet die beiden Enden des langgezogenen Geländes miteinander. Dieser hölzerne Steg ist gleichzeitig gediegene Flaniermeile und schwimmende Grenze zwischen Expopark und Forum.

Das Team spielt mit dem Thema Natur und Künstlichkeit. Es sieht darin keinen Gegensatz, sondern versucht die beiden Begriffe einander näher zu bringen. Ein sanft wogendes Feld aus Kunststoffhalmen wird die grosse Plattform im See umgeben. Die Ränder der Plattform verlieren damit an Härte, die Grenze zwischen Natur und Künstlichkeit, zwischen dem natürlich gewachsenen Terrain und der künstlichen Insel, verwischt. Das Schilffeld schafft einen fliessenden Übergang, das Halmenmeer ist eine offene Struktur, die weder städtisch noch ländlich ist.

Ein Lichtkissen über dem Forum nach Sonnenuntergang

Blickfang des Entwurfs sind die riesigen, schiefersteinförmigen Dächer, die wie drei UFOs über der Arteplage schweben und an die flachen Steine am Seeufer erinnern sollen. Am besten sieht man sie von der zentralen Piazza aus. Wie Archipele fliegen sie bis zu 20.00 Meter über der Ausstellungsinsel. Die organische Form kontrastiert mit dem strengen Raster der Halme. Die riesigen Schirme schützen die Besucher vor Regen und Sonne. Grosse Halme aus Stahl tragen die elliptisch geformten Dächer. Darunter sind die eigentlichen Ausstellungen frei angeordnet.

Bei Nacht beginnen die Spitzen der Kunststoffhalme in einem bestimmen Rhythmus zu leuchten. Das tagsüber in seinen Ausmassen kaum einschätzbare Halmenfeld wird nach der Dämmerung plötzlich klar erfassbar. Die Dächer liegen nachts auf einem Lichtkissen. Diese Lichtinstallation macht das Expogelände zur leuchtenden Skulptur, was man vor allem von den Weinbergen aus gut sieht. Auch hier wieder: Superstruktur und hochtechnische Miniaturisierung im Einklang.

Die Verfasser machen Natur und Künstlichkeit mit Architektur und Landschaftsgestaltung sichtbar. Doch erst der Fluss der Besucher bringt die noch fehlende Dynamik – der Wechsel zwischen Dichte und Leere, Bewegung und Stillstand - in die statischen Installationen. Und wenn der ortstypische Fallwind, der Joran, die Kunststoffhalme sanft in eine Richtung wiegt, beginnt das poetische Spiel zwischen Natur und Künstlichkeit.

Konzept, Architektur und Design
Team Multipack bestehend aus:
Atelier Jacques Sbriglio, Marseille, Frankreich
GMS Architectes SA, Neuchâtel www,gmsarchitectes.ch
Atelier Oï SA, La Neuveville www.atelier-oi.ch

Projektmanagement und Umweltcontrolling
biol conseils sa, Neuchâtel www.biolconseils.ch

Ingenieure
GVH St-Blaise SA, St-Blaise www.gvh.ch

Lichtdesign
Atelier Marc Aurel, Cassis, Frankreich www.aureldesignurbain.fr

Landschaftsarchitektur
biol conseils sa. Neuchâtel www.biolconseils.ch
Oxalis sàrl, Carouge www.oxalis-landscape.ch
Conseil: Jacques Coulon, Paris, Frankreich

Signaletik und Szenografie
Intégral Concept Ruedi Bau et associés, Paris, Frankreich www.irb-paris.eu
Atelier J. Habersetzer, Strassbourg, Frankreich

Generalunternehmungen
Bâtigroup Generalunternehmung AG, Basel (Forum)
Zschokke Entreprise Générale SA, Renens (Galets (Dächer) und Expopark)
Armee (Brücken und Übergänge)
Halter AG, Zürich (Brücken und Übergänge)
Expen SA, Nidau (Infrastruktur)