Das letzte Tabu

Geld und Wert

Kunstausstellung zum Thema Geld

In einem Ausstellungspavillon aus Gold verschreddert die Schweizerische Nationalbank (SNB) Geldscheine und lädt zum Glücksspiel am einarmigen Banditen ein. Mit anderen Worten: die SNB provoziert, was sonst kaum ihre Art ist. Sie hat dem Kurator der Ausstellung, Harald Szeemann, freie Hand gelassen, denn man will eine lebhafte Diskussion auslösen.

Eine Anekdote: Ein Bewunderer von Brigitte Bardot hat FF 52'000 für einen Slip seines französischen Stars bezahlt! „Wir streben stets und überall nach dem Absoluten und finden doch immer nur Dinge“, schrieb Novalis, der deutsche Dichter der Romantik. Sein Zitat könnte der rote Faden dieser Ausstellung sein, auch wenn unsere eigene Beziehung zum Geld etwas weniger anekdotisch anmutet. Es geht hier um die Kaufkraft des Geldes, um Geldmengen, um leicht verdientes Geld. Es geht auch um unentgeltliche Arbeit, um antikapitalistische Künstler, um Solidarität, um Unbezahlbares – das Zitat von Novalis passt zu allem. Mit diesem Gedanken wenden wir uns der Ausstellung zu.

Ein Pavillon aus Gold

Der Pavillon der SNB ist ein überdimensionierter Goldbarren – mit echtem Gold bedeckt! 1’730 Quadratmeter mit je 150 Goldfolien, total zwei bis drei Kilo des Edelmetalls. Es gibt nur wenige Handwerker, die das Goldschlagen noch beherrschen. Der Wert ihrer Arbeit an diesem Pavillon wird den des verwendeten Goldes weit übersteigen.

Die Ausstellungsbesucher dürfen übrigens im Bereich der Stirnfassade zwischen dem Ein- und Ausgang Gold von der Fassade abkratzen: Diebstahl ist erlaubt! Die Goldblättchen sind kaum 1/100 mm dick. Reich wird man also nicht.

Geldspiele

Auch am Spielautomaten werden die Besucher nicht reich werden. Ihr Gewinn: der Stoff zum Nachdenken, den ihnen dieses interaktive und kreative Künstlerprojekt geben wird. Und was die Geldzerstörungsmaschine angeht, so wird sie im Verlauf der Expo feierlich und für alle sichtbar zwanzig bis dreissig Millionen Franken in Fetzen schneiden. Zwei bis drei Banknoten pro Minute finden so ein ironisches Ende - ironisch deshalb, weil der Herstellungswert dieser weltbewegenden Papierscheine bloss dreissig Rappen pro Stück beträgt. Harald Szeemann betont diesen anderen Aspekt: Er will das Geld von seiner wertlosen Seite zeigen und gleichzeitig jene Schätze hervorheben, deren Wert unermesslich ist.

Besucherkapazität pro Tag
6'825

Total Besucher
1'005'190

Partner
Schweizerische Nationalbank, Bern www.snb.ch 

Konzept, Szenographie
Harald Szeemann

Architektur
IAAG Architekten, Bern www.iaag.ch 

Kommunikation, Betrieb
Tröhler + Partner (Jürg Tröhler, Brigitte Morgenthaler), Bern www.troehlerpartner.ch

Projektleitung
Nüssli Special Events AG (Ivo Haldner), Hüttwilen www.nussli.com 

Bau
Herzog Bau und Holzbau AG, Bern www.herzogbau.ch

Coaching Expo.02
Pidu Russek (Leitung)
Dogan Firuzbay
Fabian Meier

Fotos: Pressedossier Geld und Wert